Marketingstrategen sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht
Solange ich mich erinnern kann, hat der
Handel mit immer ausgefeilteren Methoden versucht, den Kunden
möglichst lange im Laden zu halten. Eines der Methoden ist zum
Beispiel, die Regale und die Warenanordnung möglichst
unübersichtlich zu gestalten, damit der Kunde sich verläuft und
möglichst lange nach den Waren suchen muss, damit er Impulskäufe
tätigt. Das hat in der Präinternetzeit vermutlich auch hervorragend
funktioniert.
Seit dem sich der Einkauf über das
Internet aber in immer größeren Bevölkerungsschichten zu einer
Selbstverständlichkeit entwickelt hat, haben sich beim Kunden
andere, vollkommen neue Einkaufsgewohnheiten entwickelt. Durch das
Internet kommt er auf die wahnwitzige Idee, Preise zu vergleichen,
was im Laden kaum möglich war. Plötzlich stellt er fest, dass er im
Internet im Schnitt trotz Frachtkosten 30 bis 40% weniger bezahlen
muss. Und er stellt fest, der Einkauf im Internet geht ja viel, viel
schneller. Er muss nicht mehr durch die Gänge irren. Hofft, einen
der wenigen Verkäufer zu finden, die ihm zeigen, wo die Ware liegt,
sondern er bekommt die Ware ins Haus geliefert.
Das ist dem Handel natürlich bestens
bekannt, nur es werden keine Konsequenzen gezogen. Da wird über die
Zeitersparnis durch bargeldloses Bezahlen philosophiert, da geht es
um wenige Sekunden. Dass der Kunde schon Mal mindestens eine halbe
Stunde durch den Laden geirrt ist, bleibt vollkommen
unberücksichtigt.
Es wurden schon viele Konzepte
entwickelt, wie der Umsatzschwund bekämpft werden kann. Einer war,
wir müssen dem Kunden mehr Beratung bieten. Führte aber in eine
Sackgasse, weil das Produkt dadurch noch teurer wird und das Personal
auch nicht mehr wusste, als das was auf der Verpackung drauf steht.
Wie kann man also dem Umsatzschwund
begegnen? Gar nicht! Wir müssen uns darauf einstellen, dass der
jüngere Kunde keine Lust mehr darauf hat, sich mit dem Auto in die
Stadt zu quälen, Parkgebühren zu bezahlen, durch den Laden zu
irren, überhöhte Preise zu bezahlen, doch keine oder eine
Scheinberatung zu bekommen und die Ware zum Parkhaus zurück zu
schleppen. Natürlich gibt es immer noch die ältere Generation, die
mit dem digitalen Einkauf nicht zurecht kommen. Aber diese Generation
stirbt aus.
Was bleibt, ist es die Kaufhäuser und
Ladengeschäfte rechtzeitig zu schließen, bevor es zur Insolvenz
kommt. Die Insolvenz ist unausweichlich, sie kommt irgendwann, aber
mit Sicherheit, weil es sich kein Händler leisten kann,
Geschäftsräume und Personal vorzuhalten. Der Kunde kommt in den
Laden, informiert sich über die Ware, lässt sich beraten und
bestellt aber zu Hause, weil er es im Internet billiger bekommt. Das
kann keiner durchhalten.
Was ich mir vorstellen kann, ist es,
wenn Ausstellungsräume entstehen, in denen nur vorgeführt und
beraten, aber nicht verkauft wird. Bezahlt werden kann das durch
Eintrittsgelder oder durch die Warenhersteller. Beispielsweise wie
das Sonycenter in Berlin. Eventuell gibt es dort Terminals, mit denen
die ausgestellten Waren auch gleich bestellt werden können. Der
Kunde scannt mit seinem Smartphone die GTIN’s, um seinen Warenkorb
zu füllen. Ob es dazu kommt, mal sehen? Ich halte es jedoch für
sehr realistisch.
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